Thema im Plenum: Klontierfleisch als Lebensmittel der Zukunft?

Landwirtschaft - Das Schaf Dolly erlangte 1996 als erstes geklontes Säugetier weltweite Berühmtheit. Seitdem wurden auch Kühe, Schweine und Ziegen geklont. Ist es vorstellbar, dass solche Klontiere zukünftig in groβem Stil zu Lebensmitteln verarbeitet werden? Die EU-Abgeordneten im Landwirtschaftsausschuss halten davon wenig. Ein Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit hat die Parlamentarier alarmiert. Sie verlangen daher bei der kommenden Plenartagung Auskunft von der Kommission.Dreimal Schnitzel, genetisch identisch?

Brussels: Derzeit ist das Klonen von Tieren in der EU zu Forschungszwecken erlaubt, allerdings werden diese Tiere nicht in die Nahrungsmittelkette gebracht.

Amerikanische Behörde hält Klonfleisch für unbedenklich

Die EU-Kommission hat im vergangenen Jahr die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) um ein wissenschaftliches Gutachten gebeten. Zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich ab, dass die US-Lebensmittelbehörde FDA den Verzehr von Milch sowie Fleisch von geklonten Ziegen, Kühen und Schweinefleisch als sicher bewerten würde.

Im Januar 2008 hat die FDA entschieden, dass die Produkte solcher Klontiere für den menschlichen Konsum genauso geeignet seien wie jene nicht geklonter Tiere und dass sie deshalb keinerlei besonderer Regelungen bedürften. Die EU-Kommission geht daher davon aus, dass der kommerzielle Einsatz von Klontieren in der Lebensmittelproduktion unmittelbar bevorsteht.

Tierschutz und Verbraucherschutz

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kam in ihrem im Juli abgegebenen Gutachten hinsichtlich der Sicherheit von geklonten Tieren für den Verzehr zu einem ähnlichem Ergebnis wie die amerikanische FDA: Es gebe keine Hinweise, dass der Verzehr von Rind- und Schweinfleischprodukten von Klonen gröβere Risiken mit sich bringe als der Verzehr von nicht geklonten Tieren.

Allerdings wies die EFSA darauf hin, dass ethische Fragen gesondert zu betrachten sind und ein bedeutender Teil der Klontiere unter oft „schwerwiegenden“ gesundheitlichen Komplikationen leiden, welche - meist in kurz vor oder nach der Geburt - oft auch zum Tod der Tiere führen.

Darauf weist auch der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses im Europäischen Parlament Neil Parish (Europäische Volkspartei - Europäische Demokraten, EVP-ED) hin: „Diese Tiere leiden viel häufiger an gesundheitlichen Defekten und leben im allgemeinen kürzer. Aus landwirtschaftlicher Sicht gibt es ernste Fragen hinsichtlich der Auswirkung auf den Gen-Pool, die wiederum Klontiere anfälliger für Krankheiten machen“.

Für die britische Grüne Caroline Lucas ist die Aussicht, dass Tiere für den Verzehr geklont werden „extrem beunruhigend“ und die Möglichkeit dazu, sollte ihrer Meinung nach von Beginn an unterbunden werden. Die griechische Sozialistin Katerina Batzeli weist auf „ethische und moralische Dilemmata“ hin, die in diesem Zusammenhang bestünden.

Auskunft über weiteres Vorgehen gefordert

Die EU-Abgeordneten wollen, dass die Kommission Stellung bezieht und haben ihr für Dienstagabend (2. September) folgende Fragen zur mündlichen Beantwortung im Parlamentsplenum vorgelegt:

Ist die Kommission ebenfalls der Meinung, dass sich das Klonen nachteilig auf das Wohlergehen von Tieren auswirkt?
Verfügt die Kommission über Erkenntnisse über das langfristige Wohlergehen und die Gesundheit geklonter Tiere und ihrer Nachkommen?
Was hat die Kommission bislang unternommen, um die Verbraucher aufzuklären und eine öffentliche Diskussion über das Klonen von Tieren anzustoβen?


Hält die Europäische Kommission das Klonen von Tieren und ihren Nachkommen für die Lebensmittelversorgung aus ethischer Sicht für gerechtfertigt?

Was hat die Kommission bisher getan, um zu verhindern, dass aus geklonten Tieren und ihren Nachkommen hergestellte Lebensmittel importiert werden und in die Nahrungskette gelangen?
Beabsichtigt die Kommission, konkrete Vorschläge zu unterbreiten, die das Klonen von Tieren für die Lebensmittelversorgung und die Einfuhr geklonter Tiere, ihrer Nachkommen sowie entsprechender Erzeugnisse verbieten?
Sie können die Debatte am Dienstagabend (ab ca. 23 Uhr) live verfolgen oder gegen Ende der kommenden Woche die Video-Aufzeichnung abrufen.

PHOTO: Drei geklonte Ferkel ©BELGA/AFP